GRETE FLACH (1897 – 1994)

DIE KRÄUTERFRAU VON BÜDINGEN

1. Grete Flach 88-jährig in ihrem Garten (Foto: Joachim Faulstich)

am 12.8.1897 geboren in Stich (Sudetenland / Bezirk Stríbro, Tschechoslowakei)
als Dora Margaretha Anna Mayer

Sie hat drei Brüder und eine Schwester

1900 bis 1946

• Schon als Vierjährige wird sie von ihrem Großvater, einem heilkundigen Schäfer, in der Kräuterkunde unterrichtet. Das Kräuterwissen wird in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben.

• In der Schule erkennt man ihre Hochbegabung. Obwohl sie nur die Volksschule besucht hat, kommt sie, durch Vermittlung ihrer Lehrer, später als Gaststudentin an das botanische Institut der Karls-Universtät in Prag.
Neben der Arbeit im Botanischen Garten liest sie in dieser Zeit in der Universitätsbibliothek jahrhundertealte Kräuterbücher, die sie zum Teil handschriftlich kopiert.

• Es folgt ein kurzes Botanik-Studium in Berlin, das sie durch den Tod ihres Vaters vorzeitig abbrechen muss.

• Wieder im heimatlichen Dorf Stich heiratet sie den Landwirt Otto Flach

• Schon bald trennen sich die Eheleute wieder, da Grete Flach den elterlichen Hof übernehmen möchte.

• Zusammen mit ihrem Wirtschafter und Lebensgefährten August Jäger führt Grete Flach ihr landwirtschaftliches Anwesen bis zur Vertreibung aus dem Sudetenland 1946.

• Nach der Flucht lässt Grete Flach sich 1946 in dem hessischen Dorf Eichen, Wetterau nieder. Hier wird sie bald bekannt durch ihre Tätigkeit als Kräuterheilkundige.

2. Über den roten Gräben 8: Garten und Haus in den 50er Jahren (Foto: Sammlung Kurt Maier)

50er Jahre

• Anfang der 50er Jahre wohnt sie in einem Behelfsheim für Vertriebene „Am Junckerngarten“ in Büdingen. 

• Um 1955, nach dem Tod ihres Lebensgefährten, kauft sie sich ein Grundstück „Über den roten Gräben 8“, damals außerhalb der Stadt gelegen. Sie baut sich ein kleines Haus und legt einen großen Kräutergarten an. 

• Grete Flach eröffnet eine Naturheilpraxis. Ihr Bekanntheitsgrad wächst.

60er Jahre

• In den 60er Jahren veröffentlicht sie regelmäßig in der Zeitschrift „Die andere Welt“ eine Kolumne „Aus dem Schatzkästlein unserer Kräuterhex“ – herausgegeben vom Hermann Bauer Verlag, Freiburg.

1966 erscheinen ihre Bücher „Aus meinem Rezeptschatzkästlein“ und
„Kräutermutter Flachs Gesundheits-und Lebensbrevier“
ebenfalls im Hermann Bauer Verlag. Die Bücher werden Bestseller. (Bücher antiquarisch erhältlich oder über Kneipp Verein Büdingen)

• Grete Flach hält zahlreiche Vorträge auf medizinischen Fachkongressen und Tagungen.

• Die Stadt Büdingen zeigt mehrmals Interesse an Grete Flachs Haus und Grundstück. Man fragt an, ob sie ihr Anwesen nicht Büdingen vermachen wolle oder der Stadt bereits zu Lebzeiten überschreiben wolle. Man brauche das Grundstück zum Bau eines Kindergartens. (Quelle: Kurt Maier, Neffe von Grete Flach)

3. Grete Flach 78jährig in ihrem Garten (Foto: Sammlung Kurt Maier)

70er Jahre

• Grete Flach betreibt ihre gut gehende Naturheilpraxis.

• Aus dieser Zeit sind hunderte Anfragen und Dankesbriefe aus aller Welt an sie erhalten. (Archiv Kneipp Verein Büdingen)

• Grete Flach bietet Schulklassen Führungen durch ihren Kräutergarten an und unterrichtet Praktikanten in der Kräuterkunde

80er Jahre 

1983/84 dreht Joachim Faulstich im Auftrag des hessischen Rundfunks eine Reportage über „Die Weise Frau von Büdingen“. Nach der Ausstrahlung des Films im Fernsehen steigt Grete Flachs Bekanntheitsgrad noch einmal an. (Film erhältlich über Archivservice Hessischer Rundfunk oder Kneippverein Büdingen)

• Hilfesuchende Menschen aus der ganzen Welt reisen zu ihr nach Büdingen.

90er Jahre

• In einem am 14.3.1991 von einem Büdinger Notar erstellten Testament setzt Grete Flach einen ihrer Neffen und die Stadt Büdingen als Erben ein, mit der Auflage nach ihrem Tod Haus und Garten zu erhalten und ihrem Nachfolger zur Verfügung zu stellen.

• Am 14.1.1993 wird Grete Flach in ein privates Altenpflegeheim gebracht. Am gleichen Tag attestiert der Amtsarzt Grete Flachs „dauerhafte“ Geschäftsunfähigkeit.

• Während Grete Flach sich im Altenheim befindet, wird ihr Haus von Unbekannten durchsucht und völlig verwüstet. Sie weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sie nie mehr in ihr Haus zurückkehren kann, sondern denkt, dass sie sich nur vorübergehend im Altenheim ist.

• Durch die Trennung von ihrem Garten und die mangelnde Bewegung verschlechtert sich Grete Flachs Gesundheitszustand rapide.

• Sie erkrankt und kommt in ein Hanauer Krankenhaus, wo ihr ein Bein amputiert wird. Danach bringt man sie für kurze Zeit in ein Kurzzeit-Pflegeheim nach Bad Orb.

• Im Mai 1994 wird sie ins DRK Altenheim nach Büdingen verlegt.

Grete Flach stirbt am 21. 6. 1994 im DRK Krankenhaus in Büdingen im Alter von fast 97 Jahren. Sie findet ihre letzte Ruhestätte auf dem Präsenzfriedhof an der Remigiuskirche, Büdingen.

4. 2014: Die Limeshainer Kräuterfrauen schmücken Grete Flachs Grab anlässlich ihres 25. Todestages (Foto: Kneippverein Büdingen)

Bilder
Foto 1 – Joachim Faulstich
Foto 2 und 3 – privat, Sammlung Kurt Maier
Foto 4 – Johanna Voss, Kneippverein Büdingen

Quellen
• Grete Flach bis 1946, 50er, 60er, 70er und 90er Jahre – Bericht ihres Neffen Kurt Maier

Die Weise Frau von Büdingen – Heilen mit Kräutern und Worten,
Film von Joachim Faulstich im Auftrag des HR, 1984 (Film erhältlich über Archivservice Hessischer Rundfunk oder Kneippverein Büdingen)
Grete Flach, Aus meinem Rezeptschatzkästlein, Hermann Bauer Verlag Freiburg, 1966
• Grete Flach, Kräutermutter Flach’s Gesundheits- und Lebensbrevier, Hermann Bauer Verlag Freiburg, 1966 (Bücher antiquarisch erhältlich oder über Kneipp Verein Büdingen)